Ev. Stadtkirche Ober-Rosbach

Geschichte der Kirche

Rosbach wurde 884 erstmals urkundlich erwähnt. Eine Kirche dürfte da schon vorhanden gewesen sein, da im Jahre 903 der Ober- und Nieder-Rosbacher Pfarrer wegen eines Streites an die Mutterkirche zu Straßheim gerufen wurde. Bauliche Angaben dazu gibt es aus dieser Zeit nicht.

Im 14. Jahrhundert wurde eine Kirche im frühgotischen Stil gebaut. Aus dieser Zeit stammt der untere Teil des Turmes.

1596 wurde unter Pfarrer Nicolaus Rieselius die baufällige Kirche abgerissen und ein neues Kirchenschiff erbaut und entsprechend ausgestattet. Auch dieses Kirchenschiff war 1742 unter Pfarrer Melchior Christoph Phasian in seinem „Umbständlichen Bericht “über das kirchliche Leben bereits als desolat und erheblich erneuerungsbedürftig beschrieben.

1756 war das Kirchenschiff so baufällig, das man dieses abriss und ein neues Kirchenschiff baute, das am 17.September 1757 geweiht wurde. Das Baujahr ist auf der Giebelseite im Westen zu sehen und wird durch handgeschmiedete Maueranker dargestellt.

Im Jahre 1857 wurde die Kirch innen erstmals grünglich renoviert.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kirche in den Jahren 1946 bis 1949 in Intervallen renoviert. Die nächste größere Renovierung war 1971/1972. Hier wurde unter anderem der Turm so restauriert, wie er sich heute dem Kirchgänger darstellt.

Die Evangelisierung der Kirche

Ursprünglich war die Stadtkirche katholisch, ging aber nach dem Anschlag von Luthers 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg sehr zügig in die lutherische Kirche über. Dies ist Pfarrer Wolfgang Haber zu verdanken, der 1533, aus Friedberg vertrieben im damaligen kurhessischen Ober-Rosbach eine neue Heimat fand. Die Rosbacher Bevölkerung ließ sich durch seine Predigten, die er nicht nur in der Kirche hielt, schnell begeistern und seine Anhänger aus Friedberg pilgerten Sonntag für Sonntag nach Rosbach, um seine Predigten und Gottesdienste zu verfolgen. Dies gefiel den Friedberger klerus gar nicht und 1535 gab es ein Erlaß, der jedem Friedberger samt Frau, Kindern und Bediensteten verbot „gen Ruspach zu pilgern“. Derjenige, der das tat, mußte eine Strafe von 10 Gulden bezahlen und wenn er dies nicht tat, sollte er an den Pranger und am Leibe gestraft werden. Unbestätigten und nicht nachweisbaren Zahlen soll Friedberg über 5000 Gulden allein 1535 eingenommen haben. Wieviele am Pranger standen oder körperlich mißhandelt wurden, ist nicht überliefert, jedoch dürfte die Zahl erheblich höher als die der Zahlenden Personen gewesen sein.

Pfarrer Haber sorgte dafür, dass vieles aus der katholischen Kirche verschwand und eine ziemlich schmucklose Kirche wie von Luther erhofft entstand. Durch viele Anfeindungen gegen seine Frau und sich und um alle Gläubigen aus Rosbach und Friedberg zu schützen, ging er 1536 ins fernere hessische Ausland nach Dauernheim. Hier setze er sein Werk fort und starb am 2.1.1557.

Sein Nachfolger war Caspar Wenix, der 1525 dem katholischen Glauben den Rücken kehrte und hier auf die gute Vorarbeit des Wolfgang Haber die Evangelisierung und Reformation fortsetzen konnte. In vielen Gemeinden gab es bis zu 10 Gegenreformationen, in Rosbach keine. Pfarrer Wenix starb hier im Jahre 1550 nach 14 Jahren Kirchenarbeit in Luthers Sinne.

Seither ist die Kirche evangelisch. Nach dem 2. Weltkrieg wurden wegen der vielen Flüchtlinge auch wieder katholische Gottesdienste in der Stadtkirche abgehalten bis die katholische Gemeinde in der Lage war, eine eigene Kirche zu bauen.

Der Turm

Das untere Teil des Kirchturmes stammt aus der Frühgotik im 12. Jahrhundert. Bei der Renovierung Anfang der Siebziger Jahre wurden viele Putz- und Anstriche entfernt, sodaß die ursprüngliche Bemalung und Farbgebung der Halle wieder in Fragmenten zu sehen ist.
Neben Heiligenfiguren im Südfenster ist auf der Ostseite ein Marienbild zu sehen.

Man verzichtete bei der Renovierung auf die Vervollständigung der freigelegten Fragmente. Damit sind auch jetzt nur Teile der damaligen Turmgestaltung zu sehen.

Auf der Südseite des Turmes befinden sich zwei Nischen. Eine große, die wohl als Aufbewahrungsstelle des Abendmahlsgeschirrs diente und eine kleine, die eine Piscina enthält.
Dies ist ein Abfluß für Weihwasser und übriggebliebenen Meßwein, der auf den damaligen Kirchhof führte und als Labsal für die dort bestatteten Toten diente. Auch wurde diese Nische wohl als „Spüle“ für das Abendmahlsgeschirr benutzt, denn auch das Spülwasser war gesegnet.

Der Kirchturm selbst war bis 1714/1715 spitz. Erst in diesen Jahren ließ die Stadt den Turm aufstocken und die drei Welschen Hauben aufsetzen, so wie wir den Kirchturm jetzt kennen.

An dieser Aufstockung ist noch der Ansatz der Kirche von 1596 zu sehen (auf dem Dachboden des Kirchenschiffes).
Die neueste Änderung im Turm ist erst rund 10 Jahre alt. Es ist das Auferstehungsfenster auf der Ostseite.
Gestaltet und entworfen von der Rosbacher Künstlerin Hannelore Clemenz-Rau und ausgeführt von der Ossenheimer Firma Glatt-Glas wurde dieses Fenster eingebaut, um in der Kirche den Weg Jesu vom Tod am Kreuz bis zur Auferstehung und Heimkehr in das Reich Gottes zu vervollständigen. Dies geschieht nicht durch gegenständliche Darstellung, sondern wird in den Farben des Bleikristallfensters symbolisiert.
Im unteren Teil des Fensters ist die Erde in Blau-, Grün und Brauntönen dargestellt, im Mittleren Teil der Himmel mit zwei kleinen roten Scheiben, die das Blut und Leid Jesus symbolisieren und der obere Teil die Helligkeit und die Ewigkeit in Gottes Himmelreich.

Die Glocken

Im Turm wurden seit jeher Glocken aufgehängt. Ursprünglich hing nur 1 Glocke im Turm. Diese Gebetsglocke läutete seinerzeit das erste Mal um 4 Uhr morgens, dann um 11 Uhr mittags und am 20 Uhr abends. Dies dauerhaft bis 1594. In diesem Jahr fiel das 4 Uhr läuten weg und es wurde das 12 Uhr läuten eingeführt. Während des 30-jährigen Krieges kamen 1631 eine zweite, die um 10 Uhr und 1632 eine dritte, die um 17 Uhr läutete. Diese beiden Glocken fielen im Jahre 1917 den Rüstungszwecken des 1. Weltkrieges zum Opfer. Bis Ende 1920 läutete nur die kleine Gebetsglocke zu allen Anlässen. Im Jahre 1889 wurde die Gebetsglocke neu gegossen, da die alte bei dem Trauerläuten zum Tode von Kaiser Wilhelm I. gesprungen war. 1886 war bereits die mittlere Glocke ersetzt worden, da diese auch einen Sprung hatte.

Nach dem 1. Weltkrieg wurden 3 Gußstahlglocken von der Firma Buderus gegossen und im Turm aufgehängt. Diese Glocken waren in den Tonarten es, g und b gestimmt. Im Rahmen der großen Kirchenrenovierung 1971/1972 wurden neue Glocken aus Bronzeguß beschlossen. Diese wurden im Turm eingebaut. 2 Stahlglocken wurden an Rosbacher Bürger versteigert und stehen heute in der Hintergasse und in der Bahnhofstraße. Die große Glocke steht vor dem Turm auf der Südseite zwischen Turmeingang und Blücherlinde.

Heute wird um 10 Uhr, Um 17 Uhr und um 20 Uhr geläutet. Seit dem 4. Dezember 1933 gibt es das Totenläuten, das den Sterbefall eines Bürgers anzeigt. Dieses „Kleppen“ erfolgt entweder morgens um 9:45 Uhr oder nachmittags um 16:45 Uhr.
Mögen unsere Glocken immer in friedlicher Absicht erklingen und niemals mehr für Kriege oder kriegerische Zwecken dienen, wie dies in der Vergangenheit öfter mal der Fall war.

Die Turmuhr

Eine Uhr gab es schon im Mittelalter. Auf der Südseite des Turmes war eine Sonnenuhr angebracht. Eine Uhr, die nur die Stunden anzeigte, war im oberen Teil des Turmes untergebracht. Das Uhrwerk spielte eine Rolle im Skandal um den Organisten Anton Raab. Dies alte Uhrwerk wurde 1869 durch ein neues ersetzt, welches am 27. Juli 1869 durch Blitzeinschlag so stark beschädigt wurde und aufwändig repariert werden mußte.. Zu dieser Zeit waren zwei Uhren im Turm angebracht. Anläßlich der Turmrenovierung im Jahre 1952 wurde die Turmuhr zusammen mit den Glocken elektrifiziert und zwei weitere Zifferblätter eingebaut. Damit kann die Uhrzeit am Kirchturm aus allen vier Himmelsrichtungen abgelesen werden. Mit dem elektischen Antrieb von Uhr und Glocken wurden die Viertelstundenschläge mit der 2. Glocke, einmal die volle Stunde mit der zweiten Glocke und ein zweites mal die volle Stunde mit der großen Glocke eingeführt und wird bis heute beibehalten.

Ausstattung der Kirche mit Sehenswürdigkeiten.

In der Kirche sind einige Sehenswürdigkeiten vorhanden, die alt oder neu, häufiger oder auch äußerst selten sind.

Wenn man auf der Westseite durch den Eingang kommt, fällt zuerst die Barockorgel aus dem Jahre 1758 auf. Alles über die Orgel ist in einem gesonderten Bericht auf der Homepage zu lesen. 

Dann fällt der Blick auf das Kreuz mit einem sehr realistisch geschnitztem Jesus. Dieses Kreuz stammt wohl aus dem 15. Jahrhundert. Wer dieses Kruzifix geschaffen hat, ist nicht bekannt. Auffällig und selten an dem Kruzifix ist das Kreuz an und für sich. Es handelt sich um ein hölzernes T, das erst durch den Aufstatz „INRI“ die Kreuzform erhält. In dieser Machart soll es in Deutschland nur noch ein weiteres Kreuz geben. 

Aus der Vorgängerkirche wurde die Kanzel, die aus dem Jahre 1714/15 stammt übernommen und wurde auf der Südseite hinter dem „Hochzeitsportal“ postiert. Der Schalldeckel der Kanzel wurde einmal geändert. Dieser hatte ursprünglich einen Pelikan, der seine Jungen mit dem Blut aus einer Brustwunde fütterte, als Krönung. Im Jahre 1857 wurde dieser durch das jetzt zu sehende Kreuz ersetzt.

Im Kirchenschiff befindet sich ein Opferstock aus dem Jahre 1760, der durch den Rosbacher Metallbauer Gerhard Bouschka renoviert wurde und mit einem Geldspendenaufsatz versehen wurde und jetzt wieder seiner Bestimmung folgt.

Es sind mehrere Grabsteine im Kirchenschiff aufgestellt bzw. verankert oder gelegt. Diese sind aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Nachweislich wurde jedoch nur 1 Person in der Kirche bestattet. Dieses war aber kein Pfarrer oder sonstiger Adliger. Warum jener Mann in der Kirche bestattet wurde, ist nicht so ganz schlüssig und auch nur vage überliefert.

Hinter dem Taufstein befindet sich ein Denkmal eines Grazer Künstlers. Es stellt ein Paar mit Ihrem „Sternenkind“ da und wurde vor einigen Jahren über die Stiftung angeschafft. Dieses Denkmal soll Eltern, die ein Kind vor, während oder nach der Geburt verloren haben, einen Platz zum Andenken an diese kleinen Seelen geben, die jetzt in Gottes Hand sind. 

Auf der Nordseite im jetzt zugemauerten Portal befindet sich ein Kerzenständer für Teelichter.

Dieser ist in Form der Weltkugel mit einem aufgesetzten Kreuz vom Rosbacher Metallbauer Bouschka auf Wunsch der Kirchengemeinde erstellt worden. Es ist ein 1 zu 1 Nachbau des Kerzenständers aus der Elisabethkirche in Marburg. Viele nutzen die Gelegenheit, hier eine Kerze anzuzünden und für jemanden oder etwas zu beten.

Dem Kirchenbesucher fällt auch der meist links hinter dem Altar  stehende Salonflügel der Firma Blüthner aus dem Jahre 1901 auf. Dieser ist eine Spende eines Rosbacher Bürgers und hat gerade jetzt in dieser Coronazeit ein Hoch erlebt. Seitdem dieser Flügel in der Kirche steht, wird dieser gerne zur Begleitung und bei diversen Veranstaltungen von verschiedenen Gruppen genutzt.

Im Turm in einer Vitrine befindet sich das alte Abendmahlsgeschirr der Stadtkirchengemeinde. Das älteste Teil ist ein vergoldeter Abendmahlskelch aus dem Jahre 1591, 6 große Zinnkannen aus dem Jahre 1741 sowie einige Kleinteile ebenfalls aus dieser Zeit. 

Der Altar und der Taufstein wurden 1956 unter Pfarrer Dondorf in einer sehr modernen Form in das alte Kirchenschiff eingebaut und harmoniert trotz der Schlichtheit gut mit der gesamten Kirche.

Ev. Burgkirche Nieder-Rosbach

Die Burgkirche in Nieder-Rosbach zählt zu den architektonischen Kleinoden in der Wetterau. Ihr Standort wurde in alten Zeiten als Friedhof genutzt. Etwa im 13. Jahrhundert entstand dort der erste Kirchenbau aus Holz. 

1533/34 wurde die Reformation in Rosbach eingeführt und Nieder-Rosbach evangelisch.

Der Turm

Der heutige Turm stammt noch aus dem 13. Jahrhundert; er ist der älteste Teil unserer Kirche und diente früher auch zu Verteidigungszwecken. 

Den quadratischen Grundriss von 7 x 7 Meter bilden 85 cm starke Mauern, die sich zu einer Höhe von 17 Meter erheben. 

Auf diesem Mauerwerk sitzt der Holzturm, eine achteckige Fachwerkkonstruktion. Diese in der Wetterau häufig zu sehende Form bezeichnet man als „welsche Haube“. In dem Buch „Kirchtürme in Oberhessen und Starkenburg wird der dreigeschossige Turmaufbau von Nieder-Rosbach als einer der schönsten des Mittelalters beschrieben. 

85 Stufen führen zu den Glocken in der unteren Haube. Die dicken Eichenbalken des Turmfachwerks stammen wahrscheinlich aus dem Rosbacher Gemeindewald. Es wurde aber auch Floßholz aus dem Spessart erworben, das mit Fuhrwerken in Frankfurt oder Hanau vom Main herbeigeschafft wurde.

Das Kirchenschiff

Die ersten ganz oder teilweise aus Holz errichteten Kirchen wurden im Jahr 1774 von unserer heutigen spätbarocken Kirche ersetzt. 

Das Kirchenschiff ist 10,30 Meter breit und 15,60 Meter lang, die Stuckdecke überwölbt den Kirchensaal in 7 Meter Höhe. 

Erbaut wurde die Kirche hauptsächlich mit Steinen aus einem Rosbacher Steinbruch. Die Sandsteine für Tür- und Fensterlaibungen bezog man aus Büdingen, die Kalksteine zur Mörtelherstellung aus Offenbach. 

Im Lauf von mehr als 200 Jahren wurden natürlich mehrmals Renovierungen und Reparaturen notwendig. Nach einer Turminstandsetzung 1865 folgten 1911/12 gründliche Reparaturen am Turm. 1940 konnte man eine neue Heizung einbauen; der Ofen im Altarraum wurde durch eine im Boden versenkte Ölheizung ersetzt. 1952 reparierte man das Kirchendach. 1961/62 wurde als erste ihrer Art im Kreis Friedberg eine vollelektrische Uhr eingebaut, der Kirchturm wurde neu verschiefert und das Dach neu gedeckt. 1993/94 wurde der Kirchturm mit dem Glockenstuhl saniert; dabei wurden neue Zifferblätter installiert. 

1989/90 fand eine große Innenrenovierung statt. Dabei mussten die alten Dachbalken aus Floßholz grundlegend saniert werden, da sie von Hausschwamm befallen waren und akute Einsturzgefahr bestand. Neue Stützbalken wurden eingezogen. Der Oberzug, der stärkste Balken des Daches, verläuft längs durch das gesamte Kirchenschiff.

Restauriert wurde aufwändig nach alter Handwerkskunst, um die alte Bausubstanz so gut wie möglich zu erhalten. So wurden beispielsweise die Säulen mit Gänsefedern gestrichen, Empore und Bänke grau-grün wattiert. Dadurch zeigt sich heute der gesamte Innenraum in den ursprünglichen spätbarocken Farben. 

Entfernt hat man den „klobigen“ Altar und ihn durch einen zierlicheren beweglichen Altartisch aus Buchenholz ersetzt. 

Die Eichentüren mit ihren Beschlägen sind noch original, erneuert wurden die ausgetretenen Sandsteinschwellen.

Der Taufstein

Der große Taufstein stammt aus romanischer oder frühgotischer Zeit. Gefertigt wurde er vor über 800 Jahren aus Vogelsberger Lungbasalt und ist den Taufbecken in Friedberg und Nieder-Wöllstadt sehr ähnlich. 

Die Größe des Taufsteins hat seinen Grund darin, dass im Mittelalter die Täuflinge durch mehrmaliges vollständiges Eintauchen ins Wasser getauft wurden. Seit rund zwei Jahrhunderten befürchtete man jedoch, die Säuglinge könnten durch das Eintauchen erkranken und ging dazu über, den Kopf der Täuflinge mit einigen Tropfen Wasser aus einem kleineren Taufbecken nur noch zu benetzen. So hatte der große Taufstein bald ausgedient und diente viele Jahrzehnte, auf dem alten Torpfosten des Pfarrhauses ruhend, als Blumenschale. Für die Taufen war ein transportabler Holzständer mit Metallschale angeschafft worden. 

1993 wurde der Taufstein wieder seiner ursprünglichen Aufgabe zugeführt: eine herausnehmbare Messingschale wurde in die Höhlung eingepasst. Ein Sandsteinsockel im romanischen Stil trägt das Becken. Im Sockel ist eine Stahlplatte mit vier stabilen Rollen eingelassen, die es ermöglichen, den Taufstein zu Taufen in den Kirchenraum zu rollen. Am 9. Mai 1993 wurde der ursprüngliche Taufstein bei der Taufe dreier Konfirmanden neu eingeweiht.

Die Kanzel

Acht Stufen führen auf die Kanzel, die aus Eichenholz geschnitzt und gedrechselt wurde. Auf dem über ihr angebrachten Schalldeckel sehen wir die Jahreszahl 1774 und in der Mitte das „Auge Gottes“. 

Die Jahrszahl 1774 beweist, wann die heutige Kirche samt Kanzel errichtet wurde. 

Das „Auge Gottes“ ist ein uraltes Symbol und wurde schon im alten Ägypten als Zeichen der Allgegenwart Gottes verwendet. Der dreieckige Rahmen steht für die christliche Trinität: Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. In der Barockzeit erfreute sich das Augensymbol großer Beliebtheit, weshalb vermutet wird, dass es bereits aus der Vorgängerkirche stammt.

Die Orgel

In Unterlagen von 1702 finden sich erste Hinweise auf eine Orgel in der Nieder-Rosbacher Kirche. Diese Orgel wurde in die neue Kirche aus dem Jahr 1774 übernommen. 

1927 wurde in das alte Gehäuse eine neue Orgel eingebaut, und zwar von der Fa. Förster & Nicolaus aus Lich. Für die damals große Summe von 5535 Reichsmark (entspricht ca. 22000 Euro) bot das neue Instrument 2 Manuale (Tastenreihen), 9 Register (Pfeifenreihen), 8 Spielhülfen (Koppeln) und 470 Pfeifen (162 aus Holz, 308 aus Metall). Eingeweiht wurde die neue Orgel am 9. Oktober 1927 und bis 1973 gespielt. 

1973 wurde die heutige Orgel von der Firma Oberlinger aus Windesheim/Pfalz komplett neu gebaut. Sie steht über dem Altar, damit Optik und Akustik optimal zur Geltung kommen. Unsere Orgel hat 54 Tasten und 470 Pfeifen. Die heute zu sehende Orgel wurde 1978 zur Konfirmation von unserem Organisten Michael Fischer zum ersten Mal wieder gespielt. 

Erfunden wurde die Orgel ursprünglich in Griechenland. Aus Byzanz wurde um 800 eine Orgel als Geschenk für Karl den Großen an den Kaiserhof nach Aachen gebracht. Populär wurde sie vor allem durch die Musik von Johann Sebastian Bach (1685-1750).

Die Turmuhr

In ca. 15 Meter Höhe hängt die Turmuhr, die zum 100-jährigen Kirchenjubiläum angeschafft wurde. Vergoldete Zeiger zeigen uns die Zeit mit Römischen Ziffern.

Sonnabend vor Pfingsten, am 23. Mai 1874, wurde das Uhrwerk angelassen. Erbaut wurde die Uhr von Uhrmachermeister Gustav Landmann aus Frankfurt/M. Die Uhr musste täglich vom Glöckner aufgezogen werden. 1938 kam ein zweites Zifferblatt an der Ostseite dazu. 

1962 erwarb man eine vollelektrische Uhr, die nicht mehr aufgezogen werden musste. Seit 1989 befindet sich eine funk gesteuerte Digitaluhr im Kirchturm, die die Glocken steuert. 

1993 wurden die alten Ziffernblätter durch neue erneuert sowie ein drittes Ziffernblatt eingebaut. 

Die Glocken

1756 wurde zum ersten Mal eine Glocke der Burgkirche urkundlich erwähnt. 

Schriftstücke belegen, dass 1780 zwei Glocken im Kirchturm hingen. 

1843 wurden die Glocken wegen Beschädigung von Glockengießer Phil. Bach aus Windecken umgegossen. Die größere Glocke (320 kg, Durchmesser 81 cm) erhielt die Inschrift: „In Eintracht und herzinnigem Vereine versammle sie die liebende Gemeinde. Nieder-Rosbach 1843. Ehre sei Gott in der Höhe!“. Die Kleinere (170 kg, Durchmesser 65 cm): „Glaube, Liebe, Hoffnung, 1843“. 

1865/75 wurde eine dritte Glocke gekauft (350 kg, Durchmesser 90 cm), die die Inschrift trug: „Im Namen Gottes goss mich für die Gemeinde Nieder-Rosbach Johann Peter Bach in Windecken 1756“. 

1917 wurden die größte und kleinste Glocke „zu Kriegszwecken“, also zur Waffen- oder Munitionsherstellung abgeholt, pro Kilogramm Metall gab es eine Mark Entschädigung. 

1920 wurde als Ersatz für die beiden eingeschmolzenen Glocken die „Kriegergedächtnisglocke“ (640 kg, Durchmesser 65 cm) erworben. Zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges trug sie die Inschrift: „Die Toten beklage ich, die Lebenden rufe ich! Gewidmet von der Gemeinde Nieder-Rosbach 1920“. Am 22.12.1941 wurde diese Glocke wiederum zu Kriegszwecken abgeholt. 

1949 konnte man zwei neue Glocken kaufen, gegossen von der Firma Hamm aus Frankenthal. Auf der kleineren (275 kg, Durchmesser 79 cm) steht: „Den Gefallenen zum Gedächtnis. Den Trauernden zum Trost!“ Auf der großen Glocke (657 kg, Durchmesser 90cm) kann man lesen: „Ich künde die Zeit. Ich rufe zur Arbeit. Und mahn an die Ewigkeit“. Daneben die mittlere Glocke, die zwei Weltkriege überdauert hat. Zu jeder Viertelstunde können wir sie hören, zur vollen Stunde verkündet die große Glocke die Stundenzahl, das volle Geläut ertönt zum Gottesdienstbeginn.

Ev. Kirche Rodheim

Kurze Geschichte  des Rodheimer Kirchenbaus seit dem frühen Mittelalter

Vermutlich schon im 9. Jh. gab es im Bereich des heutigen Kindergartens „Regenbogen“ in Rodheim vor der Höhe einen Kirchenbau, der bis zum 14. Jh. mehrfach verändert worden ist. An selber Stelle entstand im 15. Jahrhundert ein spätgotischer Bau, von dem heute nur noch der große Turm erhalten ist. Dieser Turm hatte ursprünglich eine spitze Haube, die nach einem Sturm baufällig geworden,  1715 erneuert wurde. Diese Haube war achteckig und dreigeschossig. Der Turm dieser Kirche prägt noch heute das Rodheimer Ortsbild und birgt das  das Geläut für die evangelischen Kirche, die ein paar Meter entfernt steht.

Die ehemals katholische Kirche in Rodheim wurde im Lauf der Reformation evangelisch. Nun war „evangelisch“ nicht gleich „evangelisch“. Neben Luther diskutierten viele Theologen elementare Fragen des Glaubens. Dabei bildeten sich unterschiedliche protestantische Gruppen heraus. Für Rodheim wichtig, sind dabei die Reformierten und die kleinere Gruppe der Lutheraner. Es muss in Rodheim zwischen den Glaubensgemeinschaften ziemlich geknirscht haben. Die reformierte Gemeinde benutzte die ehemals katholische Kirche, während die Lutheraner keinen eigenen Kirchenbau besaßen.

Protestantischer Kirchenbau in Rodheim

Urkunden berichten über einen ersten Lutherische Kirchenbau im Westen der Rodheimer Stadtmauer, der im 17. Jh. entstanden ist. Diese Kirche war vermutlich schnell baufällig zudem wuchs die Gemeinde an, sodass der Wunsch nach einem Neubau entstand. 1727 wurde von der lutherischen und der reformierten Gemeinde ein Grundstück erworben auf dem sich die heutige evangelische Kirche noch befindet. Baubeginn war 1731, der erste Gottesdienst fand an Weihnachten 1735 statt. 

In der Nacht vom 13. auf den 14. September 1901 gab es in Rodheim einen verheerenden Großbrand, dem 11 Wohnhäuser, 11 Scheunen, einige Ställe und ein Großteil der Kirche zum Opfer fielen. Von der Kirche blieben die barocken Mauern und der gemauerte Teil der Kirche stehen. Dach, Holzeinbauten und Fenster wurden vernichtet.

Nur wenige Monate nach dem Brand, begann der Wiederaufbau der Kirche, dazu gehörte der Bau des Kirchendachs, sowie das komplette Innere der Kirche. Das verbaute Eichenholz stammt aus Rodheimer Wäldern. Auch Stiftungen, wie die der Frankfurter Familie Rullmann mit drei bunt verglasten Fenstern, und einem heute leider verschollener Kronleuchter trugen zum Wiederaufbau der Kirche bei.

Bereits am 11.10. 1903 konnte die Kirche wieder eingeweiht werden. Eine Kirche binnen zweier Jahre wieder aufzubauen war eine starke Leistung der Rodheimer und Rodheimerinnen, die wohl keine Kosten und Mühen gescheut haben, um ihre Kirche wieder zu bekommen.

Das Äußere der Kirche ähnelte bis auf einige Details dem Vorgängerbau, wobei sich im Inneren Einiges veränderte.

1961 fanden Renovierungsarbeiten im Inneren der Kirche statt, dabei wurde in die ursprüngliche Farbgebung verändernd eingegriffen, da man eine helleren Innenraum wünschte.

Seitdem hat sich das Aussehen der Rodheimer evangelischen Kirche nicht mehr verändert.

Die evangelische Kirche in Rodheim vor der Höhe

Das besondere an der Rodheimer Kirche ist ihre Anlage als sogenannte Querkirche. Dabei läuft die Hauptachse der Kirche durch die kürzere Seite der Kirche, Altar und Kanzel stehen an einer Langseite. Die Gemeinde versammelt sich mittels Bänken und Emporen um Altar und Kanzel das liturgische Zentrum der Kirche. Querkirchen sind eine evangelische Erfindung. Das hing mit der Aufwertung der Predigt, die von der Kanzel gehalten wird gegenüber dem Abendmahl, dass am Altar gefeiert wird, zusammen. Da die teils recht lange dauernden Predigten für protestantische Gemeinden zum Höhepunkt ihres Gottesdiensts wurden, brauchte man Sitzgelegenheiten – die Kirchenbank wurde erfunden.

Die Rodheimer Kirche erhielt bei ihrem Wiederaufbau nach dem Brand von 1901 einige hölzerne Einbauten. Dazu zählt die offene Deckenkonstruktion, der cremeweiß und goldfarben gefasste Kanzelaufbau, unter dem sich vermutlich der Pfarrstuhl befand, die Orgel, die farblich zur Kanzel passt und umlaufende, holzsichtige Emporen, deren Vorderseite mit Porträts der Apostel und Jesu bemalt sind. Die Emporen werden von insgesamt zehn Holzsäulen getragen, die mit reichen Schnitzereien verziert sind. Beispielsweise tragen die vier Säulen gegenüber des Altars und der Kanzel die Symbole der vier Evangelien, Löwe, Adler Stier und Mensch.

Die Glasmalereien

Besonders erwähnenswert sind die drei Fenster in Glasmaltechnik, die in dem bekannten Glasatelier Linnemann in Frankfurt 1902 hergestellt wurden. Die Linnemannsche Werkstatt hatte hunderte Glasmalereien für Gebäude in ganz Deutschland hergestellt, auch für die Stadtkirche in Friedberg. Ihr Begründer Alexander Linnemann galt als Wiederentdecker der mittelalterlichen Glasmalerei. Das stilistische Repertoire dieser Werkstatt deckte alle wichtigen Kunststile bis hin zum Jugendstil ab.

Die drei Glasmalereien in Rodheim sind in den Nordfenstern der Kirche eingesetzt. Das kleinste Fenster sitzt direkt hinter der Kanzel und zeigt eine Taube in einem Strahlenkranz als Sinnbild für den Heiligen Geist. 

Rechts und links des hölzernen Kanzelaufbaus befinden sich die beiden großen Fenster. Deren Darstellungen sind in einer identischen, goldfarbenen Rahmenarchitektur mit Girlanden und Blattschmuck gesetzt, die an die Formensprache des Jugendstils erinnert.

Die beiden Fenster bilden zentrale Ereignisse des Evangeliums ab, links die Geburt Christi mit den Hirten und rechts die Auferstehung Christi am Ostermorgen. 

Literatur:

Dahmen, Fritz (1982): Die Lutherische Gemeinde in Rodheim und ihre Kirchbauten, Friedberg (Wilhelm Lang)

Dahmen, Fritz (1978) Chronik der „kleinen Kirche“ in: Festschrift 75 Jahre Evangelische Kirche Rodheim vor der Höhe 1903 – 1978, Rosbach (GLAS OHG)

Ricker, Julia 2017: Konzepte des protestantischen Kirchenbaus. Profan oder sakral? 

https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2017/1/Kirchenbau/protestantischer-Kirchenbau.php abgerufen am 10.10.2025

Schüpke, Bettina 1994: Linnemann, Alexander in: Frankfurter Personenlexikon (online) https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3093, abgerufen am 12.10.2025

Schütte, Ulrich HG (1992) Die alte Kirche in Rodheim vor der Höhe. Beiträge zur Geschichte und Architektur einer ländlichen Pfarrkirche in der Wetterau, Rosbach